Zum Hauptinhalt springen

Station 1

Station 1

Erster Weltkrieg

Im Sommer 1914 gab es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und England viele junge Männer, die sich freiwillig zum Kriegsdienst meldeten und mit Begeisterung in den Krieg zogen. Hauptsächlich Mitglieder des gehobenen Bürgertums und des Adels begrüßten den Kriegsausbruch, während die Kleinbürger und die Landbevölkerung aus wirtschaftlichen Gründen eher zurückhaltender waren. Die freiwilligen Kriegsteilnehmer waren überzeugt davon, dass sie für ihr Land kämpfen und als Helden zurückkehren würden. Auch waren sie sich sicher, dass der Krieg nur eine kurze Zeit dauern würde und sie bald siegreich nach Hause kommen würden. Diese Vorstellungen wurden auch durch die Regierung Kaiser Wilhelm II. propagiert. Doch die Soldaten ahnten nicht, was sie an der Front erwarten würde. Der Alltag wurde von den harten Realitäten des Krieges überschattet, über zwei Millionen von ihnen kehrten nicht mehr zurück.

Die Gedenkstätte für „Helden des Ersten Weltkriegs“ zeugt davon. Hier liegen auf der linken Seite vom Eingang des Friedhofs betrachtet 349 Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften und starben. Die Gedenkstätte entstand auf Initiative des Bundes deutscher Kriegsteilnehmer e.V. Ortsgruppe Augsburg. Der Verein entschied die am 1. und 8. August des Jahres 1920 gesammelten Spenden in Höhe von 2000 Reichsmark als Grundstock für ein Kriegerdenkmal aufzuwenden. Im November 1920 gab der Augsburger Stadtrat diesem Vorhaben seine Zustimmung. Bis dahin waren die Soldaten in den Familiengräbern oder in einzelnen Reihengräbern bestattet. 1928 wurde die Gedenkstätte um ein weiteres Feld erweitert.

 > 2. Station 1WK

Die Kriegsgräberstätte sollte nach Richtlinien der Kriegsgräberfürsorge errichtet werden. Demnach sollte die „allergrößte Sparsamkeit“ als oberster Grundsatz gelten: Mit einfachsten Mitteln sollten würdige Soldatengräberanlagen errichtet werden. Unterschiede bezüglich des militärischen Ranges oder der Nationalität der Verstorbenen sollten grundsätzlich nicht gemacht werden.

Beim Betreten der Kriegsgräberstätte sieht man aber deutlich, dass dieser Grundsatz über die Jahre in Vergessenheit geriet. Ein Grab unterscheidet sich deutlich von den anderen. 

Finde den Grabstein!

 

Wissenswertes!

In dieser Gedenkstätte siehst du auch sechs andere Gedenksteine für höherrangige Soldaten, darunter auch für die Gebrüder Gehweyer. Einer von ihnen, Fritz, war sogar mit dem bekannten Dichter Bert Brecht befreundet.

Schaue genau hin!

Die Namen der gefallenen Soldaten stehen auf den Steinen, dazu ihre Geburts- und manchmal Todesdaten. Aber der Ort, an dem sie starben, und ihr militärischer Rang oder ihre Einheit fehlen. Die Steine sind klein und nicht so prunkvoll wie der Grabstein von Josef Ritter von Stein. Überlege, warum es so ist?

Ausschnitt aus der Schwäbischen Volkszeitung
Nr. 146 vom 28. Juni 1919

Sprechsaal

Schmerzlich und mit bitterem Weh müssen nun abermals die Angehörigen der in den Kriegergräbern auf dem Ehrenfeld im Westfriedhof Begrabenen zusehen, wie an einem Tage alles, - sogar ein jedes Blümchen, Kranz usw. - von den Gräbern genommen wird, ausgenommen die Leutnantsgräber, denen wird alles belassen. Sollte dieses wirklich vom Magistrat der Stadt Augsburg Bestimmung sein, oder geht es von Der Verwaltung aus? Fast möchte man es so meinen; denn einmal erlaubt man es einem; das andere Mal rafft man wieder alles zusammen und wirft es auf den Misthaufen. Würde man eine Ahnung haben, was für Schmerz und Aufregung ein solches Vorgehen für die Angehörigen ist, die ihr Alles verloren haben. Von mehreren Angehörigen wurde dem Einsender auch gesagt, daß sie unter diesen Verhältnissen ihre Roten herausgraben lassen und ein Plätzchen mieten, daß sie mit Ruhe und ohne Aufregung betreten können. Einsender dieser Zeilen weiß ganz sicher, daß er im Namen dieser Angehörigen spricht, wenn er die hiesigen zuständigen Behörden bittet, die Angelegenheit zu mildern. Wir alle erachten es als eine Zurücksetzung, daß die Gräber der Offiziere besser geziert und angelegt sind als alle anderen. Darum also weg mit dem großen Unterschied, der nur Aerger und böses Blut verursacht. Einer im Namen Vieler.

Schon im Jahre 1919 erregte die Ungleichbehandlung der Gefallenen und ihrer Familien öffentliches Aufsehen. Individueller Grabschmuck war nur auf Leutnantsgräbern erlaubt.

Entdecke ein persönliches Schicksal!